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Jesus - wo bist du?
Kommentar zum 12. Sonntag im Jahreskreis von Milly Hellers (23.6.2024)
Sturmböen – im privaten, beruflichen oder gar politischen Leben – das ist je nach Situation und Umfeld sehr beängstigend, sei es die Diagnose einer schweren Krankheit, den Tod eines uns nahestehenden Menschen, der Verlust der Arbeit, einer schweren Krise in der Familie, Wahlresultate, die uns erschrecken … Da schlagen die Sturmwellen hoch und wir fühlen dann oft nur unsere totale Ohnmacht. Was tun? Handeln? Ja – aber wie? Schuldige suchen? Alles verdrängen oder schönreden …?
Im Evangelium von diesem 12. Sonntag im Jahreskreis geht es um eine stürmische Bootsfahrt über See. Jesus sprach zu den Menschen in Form von Gleichnissen. Dann wollte er sich mit seinen Jüngern zurückziehen, um ihnen die Botschaft seiner Gleichnisse zu erklären. Deshalb sagte er zu ihnen: „Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren.“ Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg…
Aufbrechen, ans andere Ufer fahren, Gewohntes verlassen, neuen Boden betreten … Dazu braucht es manchmal viel Mut und Vertrauen. Haben wir doch sicher alle erfahren, dass Überraschungen auf solchen Wegen kaum ausbleiben.
Plötzlich erhob sich ein heftiger Sturm… Hohe Wellen, das Boot füllt sich mit Wasser … Stellen wir uns die Situation vor. Viele der Jünger Jesu waren Fischer und wussten, dass solche Situationen, zu ihrem Job gehörten. Dennoch entsteht totale Panik, vielleicht auch ausgelöst durch das Verhalten Jesu.
Er liegt hinten im Boot auf seinem Kissen – und schläft. Sie rufen, sie wecken ihn, sie beschuldigen ihn … Wohl hatten sie gesehen und miterlebt wie Jesus die Schwiegermutter des Petrus, sowie einen aussätzigen und einen gelähmten Menschen geheilt hatte. Dennoch ist die Reaktion der Jünger angesichts dieses Sturmes zutiefst menschlich. Sturm, Chaos – und der Kapitän schläft … Wie hätten wir reagiert?
Jesus erkennt ihre Angst – und handelt. … er stand auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. Die Jünger Jesu erleben eine Achterbahnerfahrung. Sie sagen wie er kranke Menschen heilte. Sie waren dabei, als er in Form von Gleichnissen sprach. Sie hatte somit Nähe und Vertrauen zu Jesus erfahren. Jetzt aber erlebten sie Angst und Panik – Gefühl von Verlassenheit – mit vielen offenen Fragen. Geht es uns nicht manchmal ähnlich, wenn die Wellen hochschlagen und wir mitten im Sturm nicht mehr wissen was tun? Sind nicht auch wir manchmal versucht zu fragen: Wo ist denn Gott ? Warum tut er nichts?
Die Jünger sprechen Klartext: „Kümmert es Dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“ Aber das Benehmen Jesu seiner Jünger gegenüber ist etwas befremdend, als ob er ihre Ängste nicht wahrnehmen wollte. Habt ihr noch keinen Glauben? Sie hatten so vieles mit ihm erlebt, dennoch verstehen sie nicht, was er ihnen sagen wollte.
Geht es uns nicht auch manchmal so, dass, wenn wir bei stürmischen Überraschungen vor großen Fragen stehen? Glauben ist Beziehung und die geht nicht ohne Vertrauen.
Jesus lädt uns ein, trotz Fragen und Unsicherheit, seinen Worten zu glauben und ihm, wie die Jünger, unsere Sorgen anzuvertrauen. Möge Er uns dabei helfen niemals zu vergessen, dass er bei unserem irdischen Pilgerweg immer bei uns ist.
Bei allem, was manchmal schwierig sein mag, bietet vielleicht der Sonntag, 23. Juni, Nationalfeiertag, auch eine Gelegenheit, um zu überlegen, was in unserem persönlichen Leben, aber auch in unserem friedlichen, sozialen und europafreundlichen Rechtsstaat, trotz mancher Sturmböen, gut funktioniert und wofür wir IHM – aber auch den vielen „fleißigen Händen“, die oft wenig sichtbar sind, danken können.


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